Geschichte

Die Sage der Schelmenschinder

Hört gut zu … denn was nun folgt, ist eine Geschichte aus längst vergangenen Tagen.

Tief im Weißenhorner Schelmenwald, entlang der Oberhausener Straße, soll im 15. Jahrhundert ein geheimnisvolles Volk gelebt haben: die Schelmenschinder.

Wenn die Raunächte hereinbrachen und der kalte Wind durch die Bäume pfiff, wagten sie sich aus dem Wald. Dann wurden in den Häusern die Türen verriegelt, Feuer entzündet und die Räume geräuchert. Denn man wusste: Die Schinder waren unterwegs.

Doch sie jagten keine Tiere. Ihre Beute waren Menschen – jene, die anderen Leid zufügten. Verbrecher, Verräter, Überläufer und sogar Feiglinge mussten sich vor ihnen fürchten.

Wer den Schindern in die Hände fiel, wurde hinauf zur Thingstätte am Tannenberg gebracht. Dort wartete bereits der Richter. Er sprach sein Urteil – und je nach Vergehen endete der Weg des Verurteilten am Galgen oder tief im Moor.

So grausam die Schinder erschienen, so überzeugt waren sie, im Namen der Gerechtigkeit zu handeln.

Doch die Zeiten änderten sich.

Aus den gefürchteten Schindern wurden Schelmengestalten. Aus Strafen wurden Streiche, aus Schrecken wurde Schabernack. Und aus dem einst gefürchteten Schelm wurde der närrische Spaßvogel, der mit seinen Streichen die Menschen zum Lachen bringt.

Viele Jahrhunderte schien die alte Geschichte vergessen … Bis sich im Jahr 2002 ein paar närrische Freunde zusammentaten und den alten Brauch wieder zum Leben erweckten.

Und noch heute, wenn die Nächte lang und dunkel werden und der Nebel durch den Schelmenwald zieht, soll man manchmal ein seltsames Knacken zwischen den Bäumen hören … Vielleicht ist es nur der Wind.

Vielleicht aber auch nicht.

Denn wer weiß schon, was tief im Schelmenwald noch lauert?

Ein Schinder?

Ein Schelm?

Oder vielleicht … beide?